Fanfiction, was ist das eigentlich?

Laut einer Aussage einer Bekannten, ist Fanfiktion nichts weiter als “ein niedergeschriebener feuchter Traum einer Autorin, die am Liebsten selber mit demjenigen ins Bett hüpfen würde, über den sie schreibt”.

Natürlich, was sonst. Es geht in Fanfictions ja auch ausschließlich um Liebe und Sex und immer gibt es einen “Originalcharakter”, der zufälligerweise verblüffend der Autorin, übrigens natürlich immer weiblich, ähnelt. Zugegeben, diese Geschichten gibt es, sehr viele sogar. Die meisten sind aber nicht besonders gut und werden zurecht belächelt. Entschuldigung, wenn sich da jetzt jemand auf den Schlips getreten fühlt, aber… is’ so.

Eigentlich ist die Antwort jedoch eine andere.

Fanfictions sind Geschichten, die eine gegebene Figur (ob real oder fiktional ist vom Prinzip her egal) in eine neue Situation versetzt, einige Gegebenheiten ändert oder eine bereits existierende (Lebens-)Geschichte weitererzählt. Zum Beispiel werden Vampire oder Zombies ins Spiel gebracht, die Figuren in ein anderes Jahrhundert oder eine andere Welt versetzt oder eben auch durch neue Charaktere beeinflusst.

Laut Wikipedia wird dieser Begriff mal mehr, mal weniger eng gefasst, aber ich mag meine Erklärung. Sie sind außerdem erstaunlich weit verbeitet, auch wenn es niemandem aufzufallen scheint, weil sie nicht explizit Fanfiction genannt werden.

 

Wie wärs mit ein paar Beispielen:

 

1. Stolz und Vorurteil und Zombies (Buch)

Dieses Buch ist eine 1a Fanfiktion. Die Bennet-Familie und überhaupt die gesamte Welt aus Jane Austens “Stolz und Vorurteil” wurden soweit geändert, dass die Bennets sich nicht nur mit dem Liebesleben und der Zukunft der Schwestern auseinandersetzen müssen, sondern sie (und ihre gesamte Umwelt) müssen sich auch gegen eine Zombie-Epidemie wehren.

 

 

2. Sherlock, die BBC-Serie.

Sherlock Holmes spielt eigentlich im viktorianischen London und wurde ursprünglich von Sir Arthur Conan Doyle geschrieben, der seit über 80 Jahren tot ist. In diesem Fall wurde die vorhandene Geschichte ebenfalls ein wenig geändert und unter Anderem in unsere Zeit übertragen, also an das 21. Jahrhundert angepasst.

 

 

3. Star Trek, die neuen Filme.

Der eigentliche Schöpfer des Star Trek-Universums, Gene Roddenberry, ist vor zwanzig Jahren gestorben und andere Leute sind für die jüngeren Filme verantwortlich. Es gibt keine Drehbuchvorlagen vom Schöpfer, die verfilmt wurden, sondern es ist wieder eine Fortführung bzw. durch gewisse Umstände geänderte Geschichte.

 

4. Die Bibel nach Biff (Buch)

Das Leben und Wirken von Jesus mal ganz anders erzählt. Sehr zu empfehlen, übrigens, wenn man nicht streng religiös ist und Spaß versteht.

 

 

 

 

Die Liste könnte ich lange so weiter führen. Sind das “niedergeschriebene feuchte Träume”? Wohl kaum. Denn eine Fanfiktion-Geschichte ist eigentlich einfach nur das ultimative “Was wäre wenn?”-Spiel.

Was wäre wenn… New York von Godzilla angegriffen würde?

Was wäre wenn… die Schlümpfe aus ihrer Welt verschwinden und in New York landen würden?

Was wäre wenn… Abraham Lincoln ein Vampirjäger gewesen wäre?

Was wäre wenn…?

Als Autor macht es einfach unheimlichen Spaß mit solchen Szenarien zu arbeiten und auch wenn die Charaktere schon vorhanden sind, so kann man noch genügend damit arbeiten und seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Was wäre wenn. Nur darum geht es.

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