Birthday Blues

Schon seit Tagen geht es mir psychisch und körperlich nicht besonders gut. Nicht nur, weil ich in einigen Stunden 30 (29b!) Jahre alt werde, sondern auch weil ich mich an „Feiertagen“ wie Weihnachten und eben meinem Geburtstag an die vielen doofen Dinge in meiner Vergangenheit und teilweise Gegenwart erinnere, die mir an die Nieren gehen. Dass es eben der 30., also allgemein ein „besonderer“ Geburtstag ist, den man wohl auch feiert, das ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Leider sind die Menschen, die ich gerne hier hätte entweder auf einem anderen Kontinent, oder am anderen Ende von Deutschland, oder krank, oder stark Katzenhaar allergisch, also fällt feiern wohl komplett aus. Das war so eigentlich nicht geplant…

Aber gleich zu allererst einmal die Preisfrage (ohne Preis):

Wird mein Vater zum Gratulieren

  1. anrufen
  2. eine eCard schreiben
  3. oder gar beides?

Das klingt komisch? Nicht, wenn man ihn kennt.

Ich will hier nicht ins Detail gehen (der Roman, welcher hier folgt, ist schon kurz!), aber mein Vater hat schon immer seine ehrenamtlichen Tätigkeiten über die Familie gestellt. Das würde er natürlich niemals einsehen oder gar zugeben und bestimmt war es auch keine Absicht, aber eben das Ergebnis seines ausgeprägten Helfersyndroms. Googelt das mal, ist sehr lustig das Ganze. Gepaart mit seinen stark narzistischen Zügen (noch so etwas, was er nie zugeben würde) ist das ganz großes Kino. Eigentlich hat er gar nicht mal schlecht verdient, aber trotzdem war jede Bitte um neue Kleidung oder sowas immer eine gaaanz große Belastung, weshalb man sich als Kind dann irgendwann schlichtweg nicht mehr traut um irgendetwas zu bitten. Als Jugendliche habe ich alte Brillen von meiner Mutter getragen (natürlich nicht die richtige Stärke), weil ich wusste, dass Brillen teuer sind und ich meinen Vater nicht belasten wollte. Auch Klamotten hat sie mir kaufen müssen, weil er mir nie genug Geld geben wollte oder konnte und einkaufen mit ihm immer schnell in der Herrenabteilung endete. Und sie hat nie auch nur einen Pfennig dafür gesehen, dass sie mich auch noch an Wochenenden und in den Ferien mit durchfütterte. Im Grunde habe ich ab so etwa 14 nicht besonders viel Zeit mit meinem Vater verbracht, wenn ich so drüber nachdenke.

Aber das waren ja nur Klamotten und es hatte keine wirklichen Auswirkungen auf mein jetziges Leben. Dass ich einen kaputten Rücken, kaputte Knie und schiefe Zähne habe, das allerdings schon. Denn man kann sich ja vorstellen, dass wenn Klamotten schon eine zu große Belastung für ihn waren, wie es da erst mit Zahnspange, Rückenschule oder Sportverein oder so ausgesehen hätte.  Im Nachhinein möchte ich meinem kindlichen Ich so gerne die Augen öffnen und ihr erklären, dass sie keine Belastung ist und er einfach nur ein Egoist. Und dass sie auch kein schlechtes Gewissen haben braucht, weil er sich das Geld für das Fahrrad zum 12. Geburtstag „vom Mund absparen musste“ (Zitat).  Beinahe lustig ist in dem Zusammenhang, dass meine ältere Schwester bis vor Kurzen noch dachte, dass er mich ja total verwöhnt habe und ich so viel bekam, was sie nie hatte.

Den Gedanken, dass ich ja so eine große Belastung für ihn war,  hat sich so fest in meiner Psyche festgesetzt, dass ich es immer noch nicht ertrage, wenn andere Menschen Geld für mich ausgeben wollen oder sollen. Seit ich Geld verdiene habe ich mir beinahe alles selber gekauft, was ich haben wollte oder benötigte und so sehr ich es auch versuche und es mir wünsche, ich bekomme dieses miese Gefühl nicht aus meinen Knochen, wenn mir jemand etwas schenken will, was über den Wert einer CD hinausgeht. Gleichzeitig bin ich aber auch so neidisch auf die schönen Sachen, die andere früher und teilweise immer noch geschenkt bekommen, die Urlaube, die andere mit den Eltern gemacht haben etc. Woraufhin ich mich selber hasse, weil ich nicht neidisch sein will! Neid ist furchtbar und es ist viel zu egoistisch und das alles will ich nicht sein.

Doch nun zur Frage von oben.

Bis vor 2 Jahren hat mein Vater meine ältere Schwester und mich immer zum Geburtstag angerufen, zum exakten Geburtszeitpunkt. Das war eine Tradition, eine Sebstverständlichkeit. 2010 wurde das aber plötzlich anders. Wir wussten noch nicht wirklich, was bei ihm so abging und haben uns nur gewundert, dass er zwar anrief, aber eben nicht mehr zum exakten Geburtszeitpunkt. Kann man aber noch verschmerzen, solche Traditionen ändern sich nun mal mit der Zeit. Im letzten Jahr wurde es aber schlimmer: er hat uns beide (bei meiner Schwester war es der 40.!) gar nicht mehr angerufen, sondern nur eine eCard geschickt.

Wir sind uns nicht sicher, warum er das gemacht hat. Zu der Zeit hat er ziemlich viel „Mist gebaut“, hat sich im Zuge seines Helfersyndroms wie im Lehrbuch noch mehr in die finanzielle und psychische Scheiße geritten, indem er mal eben als Retter einer ganzen Familie glänzen wollte, und hat uns auch noch fröhlich mit reingezogen.  Als alles aufflog, waren wir natürlich nicht mehr besonders gut auf ihn zu sprechen, auch wenn es von meiner Seite aus kein offenen Streit gab. Aber ist das ein Grund dafür, einfach gar nicht mehr anzurufen? Uns wie einfache Bekannte zu behandeln, die nur eine schnöde eCard bekommen? Und er hatte vorher noch den Nerv zu fragen, ob wir uns auch ja nicht ausgetauscht fühlen… Witzbold.

Noch ein paar Stunden und ich werde es wissen. Vielleicht hat er verstanden, warum wir ihm (ohne uns abzusprechen) zu seinem Geburtstag auch nur noch eine nichtssagende eCard geschickt haben. Aber ich glaube es eigentlich nicht.

Das alles wäre ja so schon schlimm genug, aber wenn man 30 wird und auf sein Leben zurück blickt… und da das alles (und noch einiges mehr, aber das würde echt den Rahmen sprengen) sieht, dann ist es nicht verwunderlich, wenn man mal wieder am Rand einer Major Depression kratzt, oder? *seufz*

2 thoughts on “Birthday Blues”

  1. „Zum Geburtstag wünsch ich dir: Einen Sonnenstrahl, der dich wachküsst, ein Kuchen, der dir den Tag versüßt und Freunde, die dich hochleben lassen.“

    Happy Birthday und Alles Alles Gute!!!

    Auch wenn wir ewig nichts voneinander gehört haben und es dir gerade auch nicht so gut geht, deinen Geburtstag habe ich nicht vergessen und ich hoffe, du hast trotz allem einen schönen Tag. Wer braucht schon nervige Väter, wenn er gute Freunde hat? 🙂

    Ganz liebe Grüße an dich
    Kerstin

    1. Ah! Ich war schon wieder zu lange nicht hier und bin es auch gar nicht gewohnt, dass tatsächlich echte Kommentare reinkommen *hust* Musste grade erst 60 mal Spam löschen bis ich Dich gesehen habe Oo

      Vielen lieben Dank! 😀 Mein Geburtstag war… naja, ok. Mein Dad hat wirklich nur eine eCard geschickt und ich habe diesmal nicht mehr drauf geantwortet. Wirklich gefeiert habe ich auch nicht, war ja außer meiner Freundin und einer Bekannten keiner da. Aber was solls… vielleicht wird es zum 40. ja was^^

      LG Kim

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